ROOT · Oliver Geiss

Musik war immer da.

Ich habe fast mein ganzes Leben lang Musik gemacht – vorwiegend mit Gitarre und Gesang. Eine Deep-Purple-Platte, die unser Vater mit nach Hause brachte, öffnete eine neue Welt. Von Muddy Waters über Keith Jarretts Köln Concert bis zu The Police: Ich habe alles aufgesogen.

Viel später brauchten meine Kunden für die Filme, die ich produzierte, natürlich auch Musik. Weil mir die Rechtefrage irgendwann zu kompliziert wurde – in einer Zeit lange vor KI –, begann ich, selbst Musik zu produzieren.

Und irgendwann entschloss ich mich, das Klavier noch einmal von Grund auf zu lernen.

Leroy Finch – The Sound of More, Plattencover in einer Holzkiste

Verstehen, was man fühlt.

Dabei wurde mir bewusst: Ich konnte komponieren, Melodien entwickeln und hören, ob etwas funktionierte. Aber ich verstand nicht wirklich, warum.

Also begann ich, mich noch einmal mit Musiktheorie zu beschäftigen. Nicht, weil ich unbedingt Theorie lernen wollte, sondern weil ich verstehen wollte, was ich längst intuitiv tat.

So entstand – zunächst aus meinen eigenen Bedürfnissen. Eine Umgebung, in der ich ausprobieren, hören, sehen und Zusammenhänge entdecken kann.

Ästhetik wird Emotion.

Vielleicht liegt es an meinem Studium als Grafikdesigner, aber für mich war schnell klar: Wenn ich mich auf diesen Weg begebe, muss das Lernen in einem ästhetischen Raum stattfinden. In einer Umgebung, in der ich mich gerne aufhalte.

Musiktheorie soll hier etwas sein, das man entdecken kann. Hören, sehen, spielen – bis aus einzelnen Regeln musikalisches Verständnis wird.

Freiheit entsteht nicht dadurch, dass man Theorie ignoriert, sondern dadurch, dass man sie so gut versteht, dass man nicht mehr über sie nachdenken muss.

Oliver Geiss

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